Jazz Albums Review 2020

if you come from Google, please refresh the page, because of the missing links on the albums: https://verhoovensjazz.com/2020/12/23/jahresruckblick-2020-jazz/

… ich habe das als Website konzipiert, die Cover sind dort als Diashow angeführt zum Durchblättern wie in einem „Plattenladen“.

Was ein Jahr, sowohl als auch – von der Pandemie bestimmt, eingeengt und überbestimmt, sämtliche Zielvorgaben verfehlt. Ich wollte und wollte und konnte nicht … berichten berichten berichten. Stattdessen die Einschränkungen, die Quarantänen, das Warten darauf, dass das Prinzip Solidarität die Oberhand gewinnt – insofern eingelöst, als die meisten vor ihren Glasscheiben sitzen und sich gegenseitig grüßen, winken – sich hier und da zu virtuellen Sessions treffen – kannst du mich sehen? Kannst du mich hören? Ich höre dich gut, ich sehe dich nicht – hatte keine Zeit, mein Zimmer aufzuräumen.

2020 – das Jahr, in dem Corona dem Jazz einen Strich durch die Rechnung machte – es deswegen scheinbar noch mehr Neuerscheinungen gab und wer ohne Kompass dasteht, sieht hunderte an Covers, hat aber nachwievor nur ein Ohr. Deswegen ich [für mich] beschloss, ein paar übergeordnete Kategorien einzuführen: Land, Jahr, Name – ausgehend von Berlin, London, New York – dem folgend Deutschland, die Schweiz, Österreich, Polen, Frankreich, Belgien, die Niederlande, die nordischen Länder, die Mittelmeerküsten entlang Griechenland Italien Spanien Portugal mit Sprung über den Teich: USA, Canada, Süd-Amerika (Mexiko, Brasilien, Cuba) bis nach Asien Australien – Last But Not least Afrika, explizit Süd-Afrika. Bevor ich die unterschiedlichen Länder angehe, vorab Folgendes:

Woman in Jazz

Das Thema so alt (so zäh) wie das Jahrhundert – plus 100 Jahre – und leider nicht zufriedenstellend umgesetzt, noch immer scheint der Jazz Männerdomäne zu sein. Vorsichtig, aber bestimmt wird diese Diskrepanz über die Zeit aufgelöst und ändert seine Paradigmen. Wenn Jazz und Frauen vor allem hieß: Frauen singen, Männer spielen, gibt es inzwischen eine Unzahl an Musikerinnen, die nicht mehr unter dem Druck stehen, besser sein zu müssen als Männer, damit sie gehört werden, sondern ihr eigenes Ding finden, und akzeptiert, ja, respektiert und gehört werden. Ich maße mir nun nicht an, welche Schrauben an welcher Stelle nachgedreht werden müssten, dazu habe ich zu wenig Einblick und kann das nur von Konsumentenseite her einschätzen – beurteilen will ich das nicht, Beurteilungen sind eh nur Thesen, die auf Widerlegung warten, solange sie unwidersprochen hingenommen werden.

Vorweg: Namen Namen Namen: vorerst der Blick auf Wikipedia: Liste von Jazz- und Improvistaionsmusikerinnen gefolgt von Hinweisen auf Allobout jazz: Women in Jazz, Part 1: Early Innovators, Women in Jazz, Pt. 2: The Girls From Piney Woods , Women in Jazz, Pt. 3: The International Women in Jazz Organization – Literatur zum Thema hat Sammy Stein verfasst: Women In Jazz: New Book celebrates the women of music, shares their journeys and gives them voice.

Und um es deutlicher zu sehen: Allein für Kontrabass – oder E-Bass sind mir dieses Jahr folgende Musikerinnen aufgefallen (Links überwiegend zu ihren Websiten, so vorhanden, ansonsten Beispiele auf Youtube oder ihre Daten auf Wikipedia: Norika Ueda Giluia Valle Mazz Swift Stefanie Kunckler Heartland Trio Mimi Jones Caterina Palazzi Meshell Ndegeocello Sarah Murcia Lisa Hoppe’s Thirs Reality Adi Meyerson Federica Michisanti Trioness Scree Nicki Parrott Marlene Rosenberg Esperanza Spalding Rosa Brunello Hélène Labarrière Donna Khalife Linda Oh Sélène Saint-Aimé Ellen Andrea Wang Joy Grifoni Anne Mette Iversen Joëlle Léandre Lisa Wulff Gina Schwarz

Und nun zur Rundreise, von Innen nach Außen beginnend in

Berlin

Es beginnt leichtfüßig mit der jungen Gruppe um Franziska Aller am Bass, Konstantin Döben an der Trompete, Johannes Arzberger am Piano, Bertram Burkert an der Gitarre, Silvan Strauß am Schlagzeug – aus ihrem Pressetext: „Conic Rose macht ratlos: Weil sie in keine noch so bunte Genre-Schublade passen. Weil sie Klangwelten erschaffen, die teils ungehört, teils unerhört groß sind. Weil sie Hörerwartungen erfüllen, nur um sie dann wieder zu brechen. Weil sie ihre Zuhörer mit Tönen umgarnen und sie dann mit dem Wunsch nach mehr zurücklassen.“

London

Die Jazzhauptstadt Europas, würde ich meinen angesichts der Vielfalt an Publikationen, von Jazznews London über Jazzlive in London und abzählbar an seinen Jazzclubs – seinen herausragenden Labels Babel Label Candid Records Dutton Vocalion Edition Records E.G. Records Esquire Records Hep Records Leo Records Ogun Records Spotlite Records Whirlwind Recordings. Fehlen noch die Musiker und Musikerinnen: zum Einstieg ein Artikel von Jazzwize London’s jazz scene: the new jazz generation

Und ein paar Beispiele von Namen, die ich mitbekommen habe:

Nubya Garcia, Nick Walters, Rob Luft, Elliot Galvin, Will Vinson, Sen3, Get The Blessing, Maisha, Nuimbus Sextett, Maria Chiara Argiro, Geoff Mason,

New York

Wahrscheinlich noch immer die Hauptstadt des Jazz – nur noch strittig gemacht von Chicago, Los Angeles, Sydney, Kap Stadt, Wien, Helsinki, Stockholm oder Oslo, Ludwigsburg oder Nürnberg – ganz wie du willst – die Namen: James Brandon Lewis, Noah Preminger, Mary Halvorson, Nir Felder, Alex Goodman, Artemis, Ajoyo, Sara Schoenbeck, True East, Jacek Kochan, Rudresh Mahanthappa, JZ Replacement,

Germany

Kommen wir zurück in unsere Breiten – auch jenseits der Berliner Stadtgrenzen hast du so viele Musiker und Musikerinnen, man möchte die einzelnen Städte Instrumenten zuordnen, Berlin für Drums, Köln für Trompete, Hamburg für Oboe, Nürnberg für Saxophon, Ludwigsburg für Kontrabass oder oder … ich setze Namen, Namen, Namen: Heidi Bayer, Anna.Luca, Lisa Wulff, Der weise Panda, FRACHTER, Yarolslav Likhachev, Hans Lüdemann, Daniel Stelter, Triorität, Ulrike Haage, Conderence Hall, HAZAR, Stephan Mattner, Max Plattner Trio, Joachim Staudt – Heinrich von Kalnein, Christof Sänger, Bernhard Schimpelsberger, Chris Galldas –

Switzerland

Die Schweiz – der Dichte an Musikerinnen pro Einwohner nach zu urteilen, haben sie alle zuhause ein Instrument herumliegen – und nutzten es sogar, auch dieses Jahr wieder ungeheuerlich viele hochwertige und interessante Aufnahmen, die Namen: Moonmot, Florenz Arbenz, Clemens Kuratle, Sonar, Pago Libre, Samuel Rohrer (Auch Berlin), Dave Gisler Trio, Andreas Tschopp, Andreas Schaerer, Thiery Lang, Focusyear Band, Stream (Christophe Schweizer), Daniel Schenker, Marie Kruttli, Sylvie Courvoisier, Sophie Hunger, EHA, Matthieu Bordenave … und weitere

Austria

Du sollst keine Klischees bemühen, du sollst als Preuße keinen Wiener Schmäh sprechen – Verallgemeinerungen verbieten sich, die Provinz (die Berliner wohlgemerkt) zieht sich sonst wieder zurück – in seine Heimatgefühle (die Berliner wohlgemerkt) – hier hast du einiges an Volkstümlichem, das sich dem Experimentellen nähert oder umgekehrt, Namen: Ulrich Drechsler, Simone Kopmajer, Kammer OrKöster, Gina SChwarz, Wolfgang Muthspiel, Redtcnbacher’s Funkestra, Elias Stemeseder, chuffDRONE, Achim Kirchmair, 5/8erl In Ehr’n, Martin Spengler, Lia Pale, Michael Lagger

Poland

Wie für einige die polnische Literatur mit Gombrowicz ihren avantgardistischen Höhepunkt erreicht hat, mag es für ebenso nicht wenige im Jazz bei Tomasz Stanko, dem Ausnahmetrompeter, einen finalen Höhepunkt gegeben haben – mitnichten, möchte man dazwischen rufen: sie erfinden sich offenbar täglich neu und lassen ein sehr umfangreiches Bild ungleich vieler Stimmen und Ideen ertönen, Namen: Jazzpopolita, Lukasz Ojdana, Joachim Mencel, Adam Baldych, Marcin Wasilewski, Marta Wajdzik, Jacek Kochan, Piotr Kurek, Darek Oleszkiewicz, Bloto, Tropical Soldiers in Paradies, Jakub Paulski und viele mehr …

Belgium

Was letztes Jahr Taxi Wars war, ist dieses Jahr Antoine Pierre Urbex Electric, Miles Davis Reborn sozusagen und könnte stunden-, nein tage-, nein wochenlang so vor sich hinjammen, Namen: Pascal Schumacher, Thunderblender, Commander Spoon, The Milk Factory, SCHNTZL, Glass Museum, Pierre Vervloesem, Bram de Looze, Tom Bourgeois, Antoine Pierre, David Linx, Daniel Romeo, Aka Moon, Fabricio Graceffa, Toine Thysand, Aka Moon, Compro Oro, and so on …

France

Erinnern wir uns noch einmal daran, dass es Die US Navy war, die den Jazz über Frankreich nach Europa brachte, und freuen uns entsprechend über manche leichtfüßige Interpretation, so, als könnten die Französinnen und Franzosen angesichts eines Debussy den Jazz wirklich nur als Tanzmusik verstehen oder mitnehmen, was sicherlich inzwischen überinterpretiert wirkt – auffällig ist bei vielen Tüftlern die Raumbezüglichkeit, das Spiel mit Korpus und Tiefe – manchmal eben doch verklärend, fast schon romantisch, und hartes Timing oder abrupte Phrasierung ihm einen Kontrapunkt setzen will – und als wollten sie mich wieder auf den Arm nehmen, die Peiranis und Parisiens springend, beschwingt, luftig, wieder Namen, Namen: Martin Pyne, Enzo Carniel, Camille Bertault, Celine, Bonacina, Henri Texier, Sophie Abour, Bada-Bada, Marc Berthoumieux, Raphael Pannier, Sylviain Rifflet, Faiz Lamouri, Matthieu Bordenave, Simon Moullier, MATHIS,Jean-Pierre Como, Mathieu Saglio, NCY Milky Band, Livier Le Goas, Naissam Jalal, Benjamin Moussay, Vincent Courtois

Netherlands

Denmark

Norway

Statt der Namen für Norwegen ein paar Labels: HUBRO ; Curlinglegs ; Jazzland Recordings ; Losen Records ; Ponca Jazz Records ; Rune Grammofon ; AMP Music & Records

Sweden

Finnland

Greece

Das Land der unbekannten Namen für 2020: Billy Prim, Daniel Hardin, Nikolas Skordas, The Next Step Quaretet, Delasito Project, Markus Chaidemenos

Italia

… du kannst dein Augenmerk auf jemanden richten, es kommt noch jemand ums Eck, die Bewegungsabläufe und Abwechlungen so dynamisch, du weißt nicht, wen zuerst grüßen, deswegen in der Bildfolge nicht alle namentlich erwähnt – die Großen Paolo Fresu und Enrico Pieranunzi sind immer dabei – ein Toni Germani eher selten – deswegen ich ihn nochmal explizit erwähne – neben Franceso Cataldo, Gianmarco Scagli, Massimo Biolcati, Stefano Rocco, Cesare Picco, Ferdinando Romano, Hobby Horse, Stefania Tallini, Emilia Vancini, Danilo Gallo, Leonardo Radicchi, Tommaso Cappellato, Roberto Cecchetto, Clivia Tanisi, Pago Libre, Lorenzo Di Finti, Sofia Trio, Il Quinto Elemento, Giampiero Locatelli, Gegè Telesforo, Emanuele Primavera – leicht zu erkennen: für die Jazzszene Italiens kannst du Webseiten, wenn nicht Bücher füllen –

Spain

Portugal

USA

Und nun – da wir die wackligen Beine Europas hinter uns lassen – auf den anderen Kontinent – zu denen, wo gar nichts mehr zu passen scheint, aus unserer Sicht – sagen sie über uns auch – eine ziemlich großer Kontinent – die Insel New York hatten wir, wir bewegen uns etwas ins Landesinnere – brauchst keine City-Map – brauchst einen Fahrer! Habe nun allein für die USA hörbare 500 Aufnahmen ausfindig gemacht – natürlich auch unter dem Gesichtspunkt, dass sie spielen dürfen, was sie wollen, da kommt niemand und sagt alter Hut dazu, sondern oh, was hast du uns mitgebracht – einen alten Hut? – ja, eine New Orleans Combo in den Ausmaßen Chicagos, ein bisschen Berkley beigemischt und alles auf dem Weg nach Los Angeles vergessen. Nehmen wir es, wie es ist. Der Osten mit dem Westen nicht kann, nicht will, ganz wie in Old Europe: die in Los Angeles tatsächlich dachten, sie hätten mit Kamasi Washington eine Antwort auf die Dominanz von New York gefunden, bis Kamasi in Washington auftauchte und mit den Obamas eine Reise begann – na klar, alles Kommerz – alles. Ja und? (Solche Diskussionen führt man nur in Europa – pardon, in Berlin – womit wir wieder in der Provinz angekommen wären – nein, es geht westwärts – den Beatniks nach. Mein persönlicher King: Matt Wilson.)

Hier nun eine Auswahl – ihr könnt ein wenig blättern – ich brauchte das Jahr zum Sammeln, ihr seid wahrscheinlich in zehn Sekunden durch. (ohne Bildchen und Link: Ron Miles, Yellowjackets, Gilfema, Dewey Redman, Brad Mehldau, Pat Metheny, Sam Hirsch, Duchess, Adrian Younge, Jimmy Greene, Joey Alexander, Monika Herzig, Jeremy Pelt, Albare, Jason Tiemann, Lynne Ariale Trio, ARTEMIS; Michael Wolff, Christian Mc Bride, Wynton Marsalis, Nick Finzer, Andrea Brachfeld, Troy Roberts, und viele viele mehr …)

Canada

Mexico Cuba Brasilien Haiti Panama

Australia Korea Japan

Our Roots began in Africa

Jazzfest Berlin – ein Blick in die Zukunft?

ARTE MEDIATHEK

Ich verweise auf die Arte Mediathek und empfehle insbesondere drei Konzerte, ein gutes Zusammenspiel zwischen Berlin und New York, rein virtuell und digital – natürlich fehlt es an Publikumsatmosphäre – trotzdem empfehlenswert mit Auszeichnung:

  1. Lakecia Benjamin: Lakecia Benjamin – alto saxophone, leader Charenee Wade – vocals Darrell Green – drums Lonnie Plaxico – bass Zaccai Curtis – piano https://www.arte.tv/de/videos/100319-012-A/lakecia-benjamin-pursuance-the-coltranes/
  2. Jim Black und MEOW: Liz Kosack – synth Jim Black – drums Cansu Tanrıkulu – vocals Dan Peter Sundland – bass https://www.arte.tv/de/videos/100319-020-A/meow/
  3. Tomas Fujiwara’s Triple Double: mit Tomas Fujiwara – drums Gerald Cleaver – drums Mary Halvorson – guitar Brandon Seabrook – guitar Ralph Alessi – trumpet Taylor Ho Bynum – cornet https://www.arte.tv/de/videos/100319-029-A/tomas-fujiwara-s-triple-double/

Zur Schlussbemerkung: Davon abgesehen, dass coronabedingt alle auf Live-Erlebnisse verzichten müssen, das trifft Musiker:innen wie Zuhörer:innen gleichermaßen hart, und schaut man auf die Clubs (hier in Berlin B-Flat, das Donau, das A-Trane etc.) – wird die Lage nicht besser – im Sinn der Kunst und Kultur müsste es für das Jahr 2021, so ist zu wünschen, Wege und Möglichkeiten geben, Freiluftkonzerte anzubieten? Plätze hierfür hat Berlin einige: Helmholtzplatz: Hasenheide, Tiergarten, Bebelplatz, Mauerpark, Volksbühne … die Lage ist fatal und kaum zu beschönigen, und leider: die Prognosen sehen ein weteres Pandemiejahr voraus – trotzdem wünsche ich allen, die diese Zeiten als bedrückend empfinden, einen Rest an Optimismus, Durchhaltevermögen und was das Wichtigste ist: viele Ideen und „innere Stimme“, die zum Ausdruck bringt, was kein Wort kann.

Kommt gut ins Neue Jahr !