Berlin Jazz – Pascal von Wroblewsky, Rolf Zielke , Esther Kaiser – Das B-Flat in Berlin – Ausblick House of Jazz

„Das ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen..“ Der Tucholsky Zitate Bot behauptet: das könne man im Werk von Kurt Tucholsky nicht finden.

Hitze über der Stadt. Das Corona-Thema weitet sich wieder aus. Auf meinem Smartphone der erste Hinweis auf eine Risiko-Begegnung, allein, ich weiß nicht, wo er oder sie mir begegnet sein soll, wahrscheinlich Höhe Alexanderplatz um 19:20 Uhr – vorbeigekommen bin ich am B-Flat, dort wieder Konzerte stattfinden. Das Programm ist hier einzusehen: August B-Flat und wieder kenne ich nur wenige der angekündigten Bands, deutet darauf hin, dass ich alt werde. Die Szene werde ich wohl nie mehr überblicken können, deutet auch darauf hin, dass sie ihre Quellen ganz woanders her beziehen. Deutet aber leider auch darauf hin, dass die Jazz-Szene unter sich bleiben will? Fragezeichen. Meine, ich verfolge das nun schon seit einigen Jahrzehnten. Die Big Names finden ihr Publikum von allein, alles andere musst du dir als Piefke selbst erarbeiten und zusammensuchen. Und findest kaum Unterstützung, nichtmal von denen, die du unterstützt. Frag mich was Leichteres.

Habe ebenfalls feststellen können, Musiker und Musikerinnen bewegen sich eher auf FB und Instagram, wahrscheinlich interagieren sie auch noch mit whatsapp – sind also nah in der Hand von … Stop – keine Polemiken – verstehe trotzdem nicht, wie sie ihre Selbstenteignung immer weiter vorantreiben, und kaum jemand sich zur Wehr setzt, im Gegenteil. Rundfunkanstalten kürzen ihre Jazzsparten – das Komplexe der Zeit hat offenbar eine ganz eigene Kraft – du schaffst nichtmal mehr eine Bb-Flat von einer Synkope zu unterscheiden. Vonwegen Jazz sei intellektuelle Musik. Nein, Jazz ist vor allem eine Angelegenheit gefangen in chromatischen Quintenzirkeln, diese Komplexität lässt keine weiteren Überlegungen zu. Empfindlich sind sie dann auch, und leben zurückgezogen ihre eigenen Bohrungen und Proben. Will sagen: Wann endlich hört dies Hand-Shaking auf – dieses Well, I’m Fine, wenn die Wahrheit doch lautet, nein, mir gehts nicht wirklich gut, ich bin existentiell bedroht. Ebenso regelmäßig stehe ich mit meinen Hinweisen auf sie auf Twitter oder hier im Blog im Abseits. (Übrigens habe ich auf Blogspot noch eine Hinweistafel errichtet – da kann ich dann ungestört alles posten und anzeigen, was mir gefällt – ohne Follower oder andere Entnervte zu ärgern, denn da kommt nur Google-Volks vorbei, regelt alles die Suchmaschine für mich. Höchstfrequenz der Anfragen immerhin 7 Aufrufe. Gruß an die Vielfalt: verhoovensjazz.blogspot.com, nicht weitersagen, ist noch streng geheim – und ganz neu und noch überhaupt nicht fertig.)

Lande also immer mehr im Abseits der Straßen, abseits der allgemeinen Befindlichkeiten. In Berlin trifft man sich zu Freikörperübungen unter blauem Himmel und lässt Demonstranten per Bus aus Süddeutschland kommen – und tauscht Love-Parade Bilder gegen Livebilder – muss ich nicht verstehen, diesen Schaum vor dem Mund. Auf dass erst wieder die ganze Republik infiziert sei und ein zweiter Lockdown ausgerufen wird und damit die Wirtschaft in diesen Breiten endgültig zusammenbricht. Die Clubs dann sowieso – die Logik dieser Demonstranten will mir nicht gelingen in meinem Kopf Platz zu finden: Da wird ein Staat in die Verantwortung genommen für etwas, was sie selber anrichten: die Republik mit ihrem Loghoröe zu infizieren und anschließend zu beklagen, dass die Geschäfte ruiniert werden. Sprechen wir lieber von chromatischen Tonleitern?

Ist eh schwierig, da nicht von Verschwörungen auszugehen, nur eben nicht im Sinn derjenigen, die den Staat für alles verantwortlich machen, sondern im Sinne derjenigen, die den Staat abschaffen wollen … denen in diesem Land die nützlichen Idioten hinterherrennen wie Schafe – wie sie am Brandenburger Tor gesichtet wurden (Jesus lebt! Aua.), als wünschten sie sich den abgesägten Ast, auf dem sie selber sitzen. Was das mit Berliner Jazz zu tun hat? Nun – mal eben so simpel und einfach: er findet kaum mehr statt.

Und selbst dort, wo er stattfindet, darf ich mich nicht hinbegeben, ich bin Risikogruppe erster Güte. Habe einen gebrochenen Flügel, eine dickes Mundstück und rudere mit einem Dirigentenstab (mal Zeige- mal Ringfinger) in der Luft herum, chromatische Tonleitern zu fangen.

Schade um den Sekt, korrekt.

Alter Stadtgrundriss vom Molkenmarkt – wo die Alte Münze zu finden ist.

Erfreulich dagegen die Entwicklung um die Alte Münze. Das Hin und Her lässt sich hier verfolgen: Kein Jazz-HouseDoch Jazz-House : Offen ist dabei, wie das inhaltlich gefüllt werden will. Sollte es ein Big-Band Institut werden wie das Lincoln-Center von Wynton Marsalis in New York, wäre tatsächlich nichts gewonnen, dagegen spricht zum Glück auch, dass das Jazz-House in der Alten Münze wahrscheinlich drei Nummern kleiner ausfallen wird. Ob es auch seine Türen öffnet für Neue Musik, kann ich noch nicht erkennen, wo die Grenzen zwischen neuem Jazz und Neuer Musik fließend sind, wahrscheinlich ja. Auch darf nicht unterschlagen sein, dass es mit dem Boulez Saal keine drei Straßen weiter ebenfalls eine Möglichkeit gibt, Neue Musik zu erleben. Überhaupt: Die so unterschiedlichen Institutionen wie Ig-Jazz Berlin, Das Jazz-Institut Berlin (ein HDK Institut), die Initiative neue Musik Berlin. Sie für die Öffentlichkeit alle sichtbar zu machen, wäre auch mal ein Ziel, vielleicht erhöht das Jazz/House die Bereitschaft zur Interaktion – nehmen wir einmal den Gründungsvater der Idee vom Jazz-House Till Brönner in die Pflicht und erinnern ihn an seine Worte: „Das HOUSE OF JAZZ BERLIN ist in seinem Konzept schon jetzt Zentrum für musikalische Integration und Kommunikation der Kulturen.“ Hoffentlich haben wir nicht geträumt.

Damit wir uns denn auch mal Aug in Auge richtig missverstehen – der Berliner ist ein zwar mauliger Freund, im Kern aber genügsam, fleißig und nie ausgeschlafen, er kauft keine Berliner, nur Pfannekuchen, er isst auch keine Hamburger, sondern Pommes, und die Currywurst ist eine Charlottenburgerinnen-Erfindung, keine Idee aus Potsdam. Kommen wir zu den Musikern und Musikerinnen für diese Woche mit Herkunft oder Ansässigkeit Berlin. Vorweg, Glückwunsch zur Wiedereröffnung des B-Flat – hoffentlich gelingt Euch das!

Eröffnen wird

Pascal von Wroblewsky – Pascal Seventies Songbook

erschienen 2015* Label: Dunefish

Pascal von Wroblewsky. Pascal – Seventies Songbook, ein Album der Sängerin Pascal von Wroblewsky und der Musiker Jürgen Heckel (Gitarre), Peter Michailow (drums) und Pepe Berns am Bass. Sie widmen sich den Songs von Deep Purple, The Doors, Emerson, Lake&Palmer, Janis Joplin u.a. Frühstücksjazz zum Relaxen. Wiedereröffnungskonzert des B-Flat am 07.08.2020 – also HEUTE Abend, bitte die Hygiene-Vorschriften des Veranstalters auf seiner Website beachten und dafür sorgen, dass es weitergehen kann mit Live-Musik!

Rolf Zielke Triometrics

Rolf Zielke Triometrics – Label: Rolfin‘ Records

Rolf Zielke (p, comp.), Stephan Abel (sax), Stephan Braun (cello), Rainer Winch (dr) – am Samstag 22.08 zwei Konzerte 19:00 und 22:00 Uhr, “Seit 1996 lebe ich in Berlin und arbeite mit internationalen Contemporary Jazz Projekten, mit brasilianischen, afro-kubanischen und mit orientalischen Musikern. Der musikalische Brückenschlag von Jazz und Südamerika bis zur Musik des “Mittleren Osten” hat in besonderer Weise meine künstlerische Arbeit geprägt. Mit diesem musikalischen Background verarbeitete ich auch Kompositionen der ‘Klassischen’ sowie der ‘Neuen Musik’.”

Esther KaiserSongs of Courage

GLM Record 2018

Esther Kaiser vocals, Tino Derado piano, Marc Muellbauer double bass, Roland Schneider – drums, Rüdiger Krause guitar, Franz Bauer vibes, Birgitta Flick saxophone, Hasan Al Nour – kanun, Akram Younus Al-Siraj cello, Lauren Franklin-Steinmetz cello – am 30.08.2020 21:00 Uhr – Esther Kaiser studierte von 1996-2001 an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin u.a. bei Jiggs Whigham und Judy Niemack und machte sich bereits während dieser Zeit einen Namen durch die von ihr mitbegründete Vokalgruppe BERLIN VOICES (mehrfache Zusammenarbeit mit der Bigband des Hessischen Rundfunks und verschiedene Auslandstourneen und CD-Produktionen).

Vom Programm im B-Flat überzeugt euch bitte selbst – B-Flat in der Dierksenstraße Berlin

Weitere Jazz-Favoriten Berlins – in Kürze – bin ein bisschen in Corona-Stimmung. Mein Iphone hat mir gestern gesagt, ich habe eine Risiko-Begegnung gehabt. Dieser Text ist nun das Ergebnis dessen – ob das schon Ergebnis einer Infektion ist – kann ich erst in zwei Wochen beurteilen. Insofern: Bleibt gesund, haltet die Abstände, wascht euch die Hände, und schickt denen dort (den Gejagt-Verfolgten) Grüße von mir, mich könnte es wie sie jederzeit erwischt haben. Und ich kann ihnen leider so gar nicht folgen. Weder im esoterischen Sinn, noch im organisatorischen – ich weiß, das hat mit Jazz nichts zu tun – oder doch? Gegen das Unterkomplexe. Eine leise Hoffnung, die zählt: dass sie mithelfen, eine interessante und vielfältige Kulturlandschaft zu bauen. Zur Vielstimmigkeit gehört dann wohl auch mal ein grollender Bass. Sollen sich doch aber bitte nicht wundern, wenn auch der vielstimmig ist.

Nochmal: es tut mir aufrichtig leid für all die Musiker und Musikerinnen, die nicht spielen dürfen – und Hilfe und Unterstützung brauchen. Fatal wäre tatsächlich, wenn all diese Kultur einfach wegbricht. Deswegen: Helft einander, kauft die Aufnahmen (Heute ist wieder Voll-Support-Tag bei Bandcamp – 100% der Einnahmen gehen an die Musiker*innen) Nett wäre denn auch, wenn unter den Musikerinnen ein Austausch stattfände, dass es Leute im Netz gibt, die ihre Zeit investieren, um für Aufmerksamkeiten zu sorgen jenseits dessen, was man schon mitbekommt. Denn auf Dauer halte ich dieses vor mich Hinposten ohne Resonanz nicht aus. Es ist schon noch ein Geben und Nehmen, das Ganze. Bitte Danke, mir gehts gut. Dir auch? Ich sage es nochmal anders: Ich könnte zur Abwechslung mal wieder die Seite wechseln und auch Musik machen, macht wahrscheinlich mehr Spaß als dieses verlassene Internet abzufüllen.

Schade um den Sekt, korrekt.

Playlist auf Spotify – würde mich freuen euch dort mit am Ohr zu haben …

In dem Sinn. Kommt gut ins Wochenende, genießt die freie Zeit, wo ihr könnt, jetzt hier und dort wieder live und in ganzer Länge.

9 Gedanken zu “Berlin Jazz – Pascal von Wroblewsky, Rolf Zielke , Esther Kaiser – Das B-Flat in Berlin – Ausblick House of Jazz

  1. „Denn auf Dauer halte ich dieses vor mich Hinposten ohne Resonanz nicht aus. Es ist schon noch ein Geben und Nehmen, das Ganze. Bitte Danke, mir gehts gut. Dir auch? Ich sage es nochmal anders: Ich könnte zur Abwechslung mal wieder die Seite wechseln und auch Musik machen, macht wahrscheinlich mehr Spaß als dieses verlassene Internet abzufüllen.“

    Das Unterschreibe ich sofort! Aber dennoch. Wieder ein klasse Beitrag von Dir, den ich gerne Teile und auf eine Resonanz hoffe.

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  2. Hitze bedingt. Aber schön, dass du trotzdem verstehst, was ich meine. Die besten Grüße, wo immer Du steckst, ob in der Pfalz, am Bodensee oder vielleicht auch am Chiemsee – Vierwaldstädter See – an der Ostsee an der Nordsee – Hauptsache See – sehr trockene Luft hier am Alex.

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  3. ich gebe es zu, manchmal ist die bloggerei einfach ein selbstgespräch in einem irgendwie öffentlichen raum. aber manchmal geht doch einer vorbei und kriegt ein paar sachen mit, seltsamer typ denkt er zuerst, aber dann… hat was, was der sagt. vom hören ganz zu schweigen.

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  4. Theo, das gebe ich dir gerne zurück, hin und wieder trifft man sich. Und spürt die andere Stimme und horcht auf. Wird rausgerissen. Seltene Momente, vom Seltsamen zum Eigenen zum Anderen. Beste Grüße!

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  5. Ich finde es spannend, wenn ein paar solcher kurioser Dorfplätze zueinander finden und ein wuselnder Umschlagplatz für einen gleichberechtigten, pluralistischen Austausch über Musik entstehen kann.

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    1. Auf den Punkt gebracht. Das lasse ich gerne so stehen. Hab’s dir schon geschrieben, glaube ich: deine Beiträge sind für mich wie Sonntagsfrühstück, immer richtig dosiert und bestens serviert. Mittenmang des Gewusels. (Das mein ich sogar so!) Beste Grüße!

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  6. Moin Clemens. Na schau mal an. Es gibt Positive Rückmeldungen. Das ist das was wir hier leisten können und das Teilen dürfen wir nicht vergessen. Warum sprichst du die Musiker nicht an, damit sie wissen was du für sie machst? Die freuen sich bestimmt darüber. Ein schönes Wochenende noch und grüße von unterwegs.

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    1. Hallo Henry, yepp, das Teilen hilft, hab dir gestern auch ein paar auf deine Website gelenkt, hoffe, sie sind angekommen. Musikerinnen ansprechen ist ein Thema für sich, muss ich in mich gehen. Ansonsten ALLEN hier mein ausdrückliches Danke, das gibt Schub für die nächsten Runden. Ich habe ja allein für Berlin noch min. 300 aktive Musikerinnen vorzustellen, selbstredend die Musiker auch! Beste Grüße ins WE, wo immer Du bist, wo immer ihr seid!

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