Rain Sultanov – Isfar Sarabaski – Cycle

Inspired Nature

Kurz noch ein Rückblick auf Inspired Nature (2017). Eine eigenartige melancholische Atmosphäre, die leicht an Reijseger denken lässt – was die Komposition angeht, an Garbarek, was das Saxophonspiel angeht, an Bolani oder Johnson (bass desires), was das Tempo insbesondere in Up Lahij Mountain angeht. Im Ganzen zu hören. Durchgängig – konzentriert. Eine wundervolle Aufnahme!

Rain Sultanov: soprano, tenor saxophones; Shahin Novrasli: piano; Linnea Olsson: cello, voice; Yasef Eyvazov: oud; Yasuhito Mori: double bass; Peter Nilsson: drums; Irakli Koiava: percussion.

Qobuz – Inspired By Nature

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——————————— Cycle

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„Hier regiert das Licht: Man kann die Sonnenstrahlen, die durch die Fenster der gothischen Erlöserkirche in Baku fallen, in der das Album aufgenommen wurde, geradezu hören.“ Die Orgel steht für das Heilige. Das Saxophon für tiefste Gefühle.

was wäre Religion ohne Pathos …

„Prelude“ gleich sonderbar anrührend. Sphärisch. Ja. Abgehoben. Spirituell. Im grenzwertigen Bereich der Überhöhung – das ist schon sehr fühlig, sehr voluminös und macht andächtig anmutig. Lässt einen tief horchen, fühlen – und auch abrutschen. Sie ziehen es ziemlich hinein in die Andacht oder die Reincarnation. Da würden ein paar Minuten weniger „Embryo“ die Bezüge zum Ursprünglichen sicher auch deutlich gemacht haben. So schwebst du in einem andächtig pathetischen Raum dem Himmel entgegen, überhaupt. Die Titel. Planet Tandem Symbiosis Orison Oblivion Reincarnation Silence. Das ist nicht von dieser Welt. Eine Sphäre jenseits, weit weg manchmal. Die Himmelspforte. Heimlich genossen. Dem religiösen Gefühl Stärkemittel beigegeben. Das mag im spirituellen Raum großartig funktionieren als Musik sich zu lösen oder gar zu entheben vom Faktischen der Welt, und hallt noch eine Weile nach und verspricht, was es nirgends gibt: Glorie, Raum, Seele angekommen im Frieden seiner selbst.

Aber nimm das Pathos aus Planet – was bleibt dir als ein Lauschen (der Lerche am Klavier). Wieder gehen sie einen Schritt tiefer hinein ins Ewige Versenken. Ich muss gestehen. Es reißt einem den Boden unter den Füßen weg manchmal im Sinn von: ist das von hier? Und Religiöses, habe ich mir sagen lassen, ist nicht allen die gleiche Obsession.

Oder Oblivion – im Sinn von Vergessenheit? Von Besinnungslosigkeit? Von Verwüstung? Denkbar ist alles. Reißt du jemanden raus aus seinen Gefühlen und sagst ihm, er war in Oblivion – ob er dann nur erwacht – oder gleich von der Verletzung seiner Gefühle spricht? Ich würde gern den von Petra Rieß im NDR angedeuteten Raum erweitern wollen um die Frage: welche Räume sind das: Werden sie größer kleiner – ich vermute größer – aber wie groß darf so ein Raum werden, ohne dass er in sich zusammenfällt?

Fragen die sich ergeben. Die im räumlichen Gefüge der Kompositionen angelegt sind.  Als Verführung, als sich dem Weltlichen entrissen Fühlen. Wäre der Raum inhaltlicher, die Schönheit geheimnisvoller, umwobener – ich könnte nur noch staunend lauschen … aber ist eine solche Silence dann wirklich noch Kontemplation, oder führt sie in die Selbstverklärung?

„Prelude“ und „Oblivion“ empfinde ich als sehr schöne Kompostitionen und wundervoll vorgetragen. Bei Embryo oder Planet erschöpfen sich die Motive über die Länge ein wenig an sich selbst. Für Momente der Selbstheilung in der Musik gibt es wunderbare Höhepunkte, auch eine Leichtigkeit im Saxophonspiel, die ich mir wünsche – es wird mit dem Ernst in der Ambition des Ewigen und Schönen aber doch auch sehr andächtig manchmal – und himmlisch. Das kann einen für Momente entrücken.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Erl%C3%B6serkirche_(Baku)

Rain Sultanov & Isfar Sarabski – CYCLE – Prelude (I.Sarabski)

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Vom Label Ozella Music

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Rain Sultanov | Isfar Sarabskihttp://www.ozellamusic.com/artist/rain-sultanov-isfar-sarabski/

Rain Sultanov, Isfar Sarabaski

Already on the ECM album „Aftenland“ Jan Garbarek and Kjell Johnsen went to the interface between organ and saxophone.

On „Cycle“ the two leading jazz musicians Azerbaijan Rain Sultanov and Isfar Sarabski develop a cosmic performance out of it.

Three instruments: organ, saxophone and piano. In it the organ stands for the sacred.The saxophone for our deepest feelings. The piano for evolution.

Here the light is shining: you can almost hear the sunbeams that fall through the windows of the Gothic Church of the Redeemer in Baku, where the album was recorded.

An intense, light-filled energy room. No limits.

 

Auf NDR: sichert sich Petra Rieß so ab: „wäre diese Musik ein Bild … es wäre in Pastellfarben gemalt … hier wird Raum geschaffen“,  aber auch: zum Glück sorgt das Klavier ab und an für Bodenhaftung. „Komplex geht anders und manchen mag es langweilig werden bei dieser Aufnahme, das ist gut. denn dann ist Platz zum Beispiel für die kleine Terz, die ruft nach Kontakt. Mit wem? Mit uns selbst. Dafür bietet diese Musik viel Raum.“

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Reijseger

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Jan Garbarek Aftenland

Qobuz – Jan Garbarek Aftenland

zum Angebot von Ozella Music auf Soundcloud mit u.a. Helge Lien, Oddgeir Berg, Aki Rissanen, Jens Fossum und viele andere …

… Ich wünsche allen ein schönes Wochenende mit viel Inspiration und Idee für die kommende Woche …