Arild Andersen Trio – In House Sience

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Bespricht man Aufnahmen der ECM muss man immer zwei Kraftfeldern widerstehen, einmal „das klingt ja wieder wie ECM“ oder „schreib du nur weiter Werbetexte für ECM“ Kannst du so sehen, kannst es bei dieser Aufnahme aber gern auch mal seinlassen und darauf hinweisen: Das hier ist eine Live-Aufnahme eines famosen Trios um Arild Andersen. Mit Saxophon (Tommy Smith) und Percussivem Dauergrollen und Zimbeln von Paolo Vinaccia. Was er im Hintergrund alles zusammentrommelt, ist nun mal überhaupt nicht von schlechten Eltern und soweiter. Damit hätte ich nun keinen Werbetext geschreiben und auch nicht bestätigt, dass das wieder typisch ECM ist, sondern einfach mal darauf hingewiesen, dass das hier eine Live Aufnahme ist aus Bad Ischl, Österreich und was die drei zusammenspielen, Wow. Respekt. (Immer schön nüchtern bleiben, damit der Leser, die Leserin nicht falschen Erwartungen ausgesetzt wird – der die Leser Leserin aber auch Ohren hat zu hören. Wird nicht schwerfallen, dem zuzustimmen. Wow. Respekt. Großer Livemoment!

Stück eins kannst du noch meinen, es sei ein Standard (das Stück ist von der Aufnahme „Mira“ / gleich auch hören!), etwas schwerfällig und dunkel hingestellt, kein Grund, über die Aufnahme zu sprechen? Dann aber „Science“. Das hat so eine feine Dynamik und Spielfreude, ein hohes Tempo und große Lust am Gesprach – herrlich. Fertig. Ja. Herrlich. Das fand dann wohl auch das Publikum so und springt fast aus dem Häuschen. Da Silence so scharf daherkommt, ist die Aufnahme schon jetzt gebongt.

Einen weiteren Grund finde ich natürlich in der Biografie eines Musikers dieser Qualität: Schau ich mir die Daten an und staune noch einmal: das übliche Namedropping ergibt: Spielte mit George Russell, Don Cherry, Phil Woods, Dexter Gordon und Tomasz Stanko. (als Chef) Oder auch als Sideman unter Terje Rypdal, Bobo Stenson, Jan Garbarek und Bill Frisell. Nehmen wir noch die Laufbahn des Saxophonisten Tommy Smith, ein Wunderkind, heißt es, als Teenager jedenfalls Zusammenspiel mit Gary Burton, Steve Swallow und Adam Nussbaum. Dann mit Tommy Flanagan und Chick Corea bei Blue Note, gilt als bester Tenorspieler Großbritanniens. Der in Italien geborene Perkussionist und Komponist Paolo Vinaccia lebt seit fast vierzig Jahren in Norwegen. Hat auf mehr als einhundert Alben mit Rypdal, Palle Mikkelborg, Mike Mainieri und Jon Christensen gespielt.

Sehr fein geht es in North of the Northwind weiter. Eine Synthiverstärkte Klangkollage auf Eisluft und Lichtflimmern. Gefolgt von einer wieder etwas bluesigeren Gangart, was aber viel Raum gibt für sehr ausgewogene Konversation unter allen dreien und so weiter … Fehlt noch das Schlussgewitter von „Inhouse“. Macht alles in allem ein sehr empfehlenswerte Aufnahme. Macht glücklich!

das Trio: Arild Andersen: double-bass; Paolo Vinaccia: drums; Tommy Smith: tenor saxophone.

ECMrecords Beispiel Science ab Minute 38:30 auf der neuen Aufnahme!

oder Mira oder zur Homepage von Arild Andersen

Discography, wenn auf Qobuz dann verlinkt.

last but not least der Originalwerbetext bei ECM: „Norwegian master bassist Arild Andersen’s trio with big-toned tenorist Tommy Smith and powerhouse drummer Paolo Vinaccia is one of the most viscerally exciting jazz small groups of the present moment. Its energies are arguably best captured in a live context, and here the three musicians deliver a characteristically smoking performance at the Villa Rothstein in Bad Ischl, Austria, recorded in September 2016. Their earlier concert recording Live At Belleville, was issued a decade ago to rave reviews and a shower of awards. “Absolutely and unreservedly marvellous” said the BBC Music Magazine.  “How often do just three musicians produce music as vast and panoramic in its scale and vision?” asked Jazzwise, amazed.“