Die Stille im Kopf – Karl Lippegaus

Vasily Kandinsky
Vasily Kandinsky Pastorale – Guggenheim

KARL LIPPEGAUS: Die Stille im Kopf

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Nieswand Verlag Kiel 1991 ursprünglich Ammann 1987

Ein feines Buch zum Begleitlesen – die sehr interessanten Interviews mit vor allem Miles Davis und Brian Eno. Selbst in den Leerstellen, sprich in den Interviewpausen, Momentaufnahmen genannt, verbirgt sich so einiges an Entdeckungen, vom Brasilianischen bis zum Blues unter Lightnin‘ Hopkins. Habe das Buch mit Freude wieder hervorgeholt, gerne darin nochmal gestöbert. Kann ich nur empfehlen für die sich mal für ein paar Stunden ausklinken wollen. Brian Eno auf die Frage, ob er die Rockmusik heute noch für subversiv halte:

„Die angesehensten Zeitungen schreiben heute über Rockmusik. Diese Musik ist total etabliert. Sie ist nicht mehr subversiv. Etwas anderes ist subversiv. Ich glaube, wir haben uns alle sehr an den Gedanken gewöhnt, dass eine politisch relevante Aussage immer was mit Schreien und Kämpfen und Fäusteballen zu tun haben muss. Aber das stimmt nicht. Alle schreien sich heute an. Das ist schon zum Normalzustand geworden. Die Dinge, die, glaube ich, eine Veränderung in den Menschen bewirken können, sind die leiseren: die sich ganz allmählich ins Bewusstsein einschleichen und unsere gesamte Sicht der Dinge verändern.  Man ist es leid geworden, dass einen ständig jemand anfährt und wachzurütteln versucht.“

Miles Davis

„In der Zeit war jeder cool. Keiner wollte den anderen wissen lassen, dass er keine Ahnung hatte.“

„Duke, du schuldest mir einen Takt und zwei Schläge. Ich sagte ihm, wenn er soviel Schlagzeug spielen würde wie er die Frauen bumst, er könnte ein wirklich guter Drummer werden.“

„Es ist schon irre, wieviele Liebeslieder die Männer überhaupt über die Frauen geschrieben haben. Es gibt jetzt so viel Musik. Du hast alles schon gehört.“

„Die hauen all die Sachen mit dem ersten Beat raus. Prince, James Brown, Marcus Miller. Und Prince, Marvin Gaye und Michael Jackson … sie alle haben dieses kleine Ding „Auf dem Beat““.

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 Robert Wyatt

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Was eine Hyme, was eine Stimme! Wohl gemerkt: alles im Alleingang aufgenommen! Robert Wyatt: vocals, piano, keyboards, bass, percussions

Jon Hassell

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Personnel: Jon Hassell: trumpet, keyboards; Gregg Arreguin: guitar; Jeff Rona: keyboards, sampled percussion; Adam Rudolph: acoustic and sampled percussions; Daniel Schwartz: bass.

der dann auch mal säuerlich sein darf, weil er die anderen (Brian Eno und David Byrne) ihn samplen, oder soll man sagen beklauen sieht? Immerhin kann er sich damit trösten, dass sie es nur adaptieren und nicht durchdringen.

Paco de Lucia

„Nur die wenigsten Leute haben Ahnung von Flamenco. Zuerst spielt man Bulerias, die haben einen sehr fröhlichen aufmunternden Charakter. Man tanzt und singt zu den Rhythmen der Bulerias. Das geht stundenlang so weiter, bis zum frühen Morgen, wenn alle betrunken sind und die andere Musik einsetzt. Sie ist traurig, und manchmal treten die Melodien wie Albträume oder schwere Gedanken hervor. Manche Leute fangen an zu weinen und reißen sich die Kleider vom Leib, und eine sehr verrückte Atmosphäre kommt langsam auf. Ist der richtige Moment um traurig zu sein?“

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Art Pepper

Buch Straight Live. Leute plötzlich zu Konzerten kamen wegen der Geschichte hinter dem einmaligen Saxophon. Ein Autodidakt und keiner glaubte ihm all seine Comeback-Versuche. Er schließlich auf dem Höhepunkt seiner Karriere, ein Jahr vor seinem Ableben eine Meisterwerk hinlegt: „a poetic, burning date, with all four men playing above themselves…. Between them, they’d delivered a masterpiece.“

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Art Pepper – alto saxophone Red Garland – piano Paul Chambers – bass Philly Joe Jones – drums
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DONALD FAGEN

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hier insbesondere: East St. Louis Toodle-Oo (eine Duke Ellington Verneigung)

Hier Duke Ellington, das ist von 1927 !!!!!!!!!!!!!:

Steely Dan

Bobby Mc Ferrin

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Here’s a little song I wrote you might want to sing it note for note
Don’t worry be happy
In every life we have some trouble but when you worry you make it double
Don’t worry be happy
Don’t worry be happy now
Ooh-ooh-hoo-hoo-ooh hoo-hoo-ooh-ooh ooh…

Don’t worry
Woo ooh-woo-ooh-woo-ooh-ooh…
Be happy
Woo ooh-ooh-ooh-ooh…
Don’t worry be happy
Ooh-ooh hoo-hoo-ooh hoo-hoo-ooh-ooh ooh-ooh…

Don’t worry
Woo ooh-woo-ooh-ooh-ooh-ooh…
Be happy
Woo-ooh-woo-ooh-ooh…
Don’t worry be happy
Ain’t got no place to lay your head somebody came and took your bed
Don’t worry be happy

The landlord say your rent is late he may have to litigate
Don’t worry
Ha-ha ha-ha ha-ha
Be happy

Look at me I’m happy

Ooh-ooh-hoo-hoo-ooh ooh-ooh-ooh-ooh ooh-ooh-ooh…
Don’t worry
Ooh-ooh-ooh-ooh-ooh-ooh-ooh…
Be happy
Ooh-ooh-ooh-ooh-ooh…
Here I’ll give you my phone number when you’re worried call me I’ll make you happy
Ooh-ooh-hoo-hoo-ooh ooh-ooh-ooh-ooh ooh-ooh-ooh…
Don’t worry

Woo ooh-ooh-ooh-ooh-ooh-ooh…
Be happy
Woo ooh-ooh-ooh-ooh…
Ain’t got no cash ain’t got no style
Ain’t got no gal to make you smile
But don’t worry be happy

‚Cause when you’re worried your face will frown and that will bring everybody down
So don’t worry be happy
Don’t worry be happy now
Ooh-ooh-hoo-ooh-ooh ooh-ooh-ooh-ooh ooh-ooh-ooh…
Don’t worry
Ooh-ooh-ooh-ooh-ooh-ooh-ooh…
Be happy
Woo ooh-ooh-ooh-ooh…
Don’t worry be happy
Ooh-ooh-ooh-ooh-ooh ooh-ooh-ooh-ooh ooh-ooh-ooh…

Don’t worry
Woo ooh-ooh-ooh-hoo-ooh-ooh…
Be happy
Woo ooh-ooh-ooh-ooh…
Don’t worry be happy
Now there is this song I wrote

I hope you learned it note for note like good little children
Don’t worry be happy
Listen to a what I say in your life expect some trouble when you worry you make it double
Don’t worry be… happy… be happy now
Ooh-ooh-hoo-hoo-ooh ooh-ooh-ooh-ooh ooh-ooh-ooh
be happy

Background: The Indian mystic and sage Meher Baba (1894–1969) often used the expression „Don’t worry, be happy“ when cabling his followers in the West.5

DAKAR

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PETER GABRIEL

Al Cohen/Leonard Cohen

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Brian Eno

Man muss an sein Ding glauben. Du kannst dir bei der Flut der Neuerscheinungen und Bücher zum Thema keinen Überblick mehr verschaffen, einfach unmöglich. Du musst dich vielmehr auf deine Sache konzentrieren, und erst wenn dich deine Sache interessiert und fesselt, springt der Funke vielleicht über. Du hast keine andere Wahl. – Geht schnell durch Museen, wenn ihn aber ein Bild anspricht (Beispiel: die Pastorale von Kandinsky), verhaart er mitunter Stunden davor. Die Entschleunigung sich als neues Konzept darstellt – nicht mehr höher schneller weiter, und nicht immer überall und immer zu spät, sondern sich drauf einlassen. Ihm wird der Begriff des Ambient Music zugeschrieben mit Veröffentlichung der Alben Music for Airports und On Land – in der sphärische Klänge vordergründig.

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Jaco Pastorius

Tragisch? – Ja, tragisch. Wieder ein Autodidakt – voller Musik. Und doch auch den Drogen und dem ekstatischem Leben zum Opfer gefallen. Alle Comeback-Versuche zwischen 1982-86 bei Weather Report scheitern, Am 12. September 1987 frühmorgens um 4:20 Uhr wurde Jaco Pastorius vom Türsteher Luc Havan brutal zusammengeschlagen. Zu der Schlägerei kam es, als Pastorius der Einlass in den Midnight Bottle Club in Wilton Manors verwehrt wurde. In seiner Wut hämmerte er gegen die Tür des Clubs. Daraufhin begann Havan auf Pastorius einzuschlagen. Der Türsteher sagte später aus, dass er den Bassisten für einen aggressiven Drogenabhängigen gehalten habe. Nach neun Tagen im Koma starb Jaco Pastorius im Alter von 35 Jahren am 21. September 1987 um 22:00 Uhr an den Folgen seiner Verletzungen. Quelle Wiki. Besonders stolz scheint er im Interview auf seine Kompositionen zu Mr. Gone zu sein.

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  1. „The Pursuit of the Woman with the Feathered Hat“ (Zawinul) 5:03
  2. „River People“ (Pastorius) 4:50
  3. „Young and Fine“ (Zawinul) 6:55
  4. „The Elders“ (Shorter, arranged by Zawinul) 4:21
  5. „Mr. Gone“ (Zawinul) 5:26
  6. „Punk Jazz“ (Pastorius) 5:09
  7. „Pinocchio“ (Shorter) 2:26
  8. „And Then“ (music – Zawinul, lyrics – Sam Guest) 3:22

Lightnin‘ Hopkins

Ohne Interview – aber „habe alle meine New Age Platten verschenkt und höre wieder Lightnin‘ Hopkins

LEGENDE – LEGENDE – LEGENDE – LEGENDE – LEGENDE

du kannst stundenlang das immergleiche hören es ist jeden Tag anders.

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Tim Hardin

Der mit den Hits, die die anderen sangen.

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Großartiges Konzert: mit allem menschlichen I don’t remember it anymore und Gegrunze und Gekreisch.

und beiläufig eingestreut Brasilien:

Joao Boco, Caetano Veleso, Milton Nascimento, Djavan, Antonio Carlos Jobim,
Lee Perry, oder eben

Brian Eno über Afrika mit

Fela Kuti

Im Anhang noch einige Interviews in Englisch mit Geri Allen, Lee Konitz, George Lewis, Astor Piazolla, Gary Peacock, Michel Portal, Don Pullen, Joshua Redman, Henri Texier, Cassandra Wilson

Literatur:

von Karl Lippergaus: John Coltrane, eine Biographie (2011);
Übersetzung von Benjamin Halays Michel Petrucciani (2012);
Art Pepper,
Straight Life. (Wieso gibt es das nicht auf deutsch?) (1979)

Eine wunderbare Reise, ein großes Lesevergnügen. In klarer unprätentiöser Sprache, und doch spürt man ihnen allen an, sie haben nicht nur einen Haufen Musik in sich drin, sondern unglaublich viel vom Leben zu erzählen. Und bei vielen ist es schon ein Leben danach. In Memoriam sozusagen! Große Lebenswerke.

20 Jahre hat das Buch auf dem Buckel. man merkt es ihm nicht an.