Anouar Brahem – Maqams

Was eine schöne Musik. Mehr musst du nicht sagen. Und doch musst du dazu was sagen. Wiederhole es. Was eine schöne Musik. Woran machst du das fest? Ich kann es dir nicht sagen. Es berührt. Maqams ist jenseits all seiner anderen Aufnahmen die wohl ausgereifteste, eine bahnbrechende Veröffentlichung … was ein famoses Zusammenspiel. Seine Partner Dave Holland, Jack DeJohnette und Django Bates. Dass Jack DeJohnette und Dave Holland sich blind verstehen, haben sie schon auf Gateway mit John Abercrombie unter Beweis gestellt … das ist gewesen 1975 (sic!) mit Pat Metheny und Herbie Hancock – Diese Aufnahme läuft einem ständig unter … 1990, oder mit Chris Potter (1997)  …

Nun kommt ein weiterer Glücksfall hinzu. Django Bates. Da nehme ich gern die Jazzahead Aufnahme von 2013. (frei und exaltiert … A world famous piano player, he is from England, btw kein Unbekannter der Freunde von ECM: Beloved ist soeben erschienen, eine ebenfalls großartige Aufnahme, man spürt die zeitliche Nähe zur Aufnahme von Maqams. Wenn ich es richtig rausgelesen habe, war es Manfred Eicher, der Brahem davon überzeugen konnte, mit Bates zusammenzugehen.

Nur mal so zur Erinnerung: 1990 spielte Bates mit Nils Petter Molvaer und Sidsel Endresen oder: die Aufnahme First House: das nur als Vorbemerkung.

Dieser Aufnahme gibt er ein eigenes (lauschendes) Piano  bei. Das Zusammenspiel zwischen Oud und Piano in wechselseitiger Getriebenheit, Erhabenheit und Spannung. Wie das funktioniert, merkt man gleich im ersten Stück Opening Day. Brahem beginnt wie er in De Tout Ton Coer auf Le Pas Du Chat Noir schon spielte – diesmal allein. Aufgenommen wird er von Dave Holland, die beiden wiederum Jack DeJohnette herein lassen, sie haben sich kaum gefunden, da rundet Bates es mit leichtem Ton ab … die Sache hat einen schönen Raum inzwischen. Groß. Tief. Weit.

Die Improvisationslinien Brahems laufen in die von Bates hinein hinaus, sie umwerben sich und kommen über die Distanz wieder zueinander. Du merkst gar nicht, wie selbst Jack DeJohnette abwartend an der Seitenlinie saß, um in den Schlusswirbel wieder einzugreifen.

La Nuit startet Bates und Brahem akzentuiert das Arpeggienspiel mehr mit kurzem Anreißen. Holland nimmt den Bogen … Jack DeJohnette lässt es nur leicht zwischenklingen. Volumen formvollendet.

Nehmen wir noch Bom Dia Rio. Das sechste Stück inzwischen. Freundlicherweise von ECM mit Videomaterial unterlegt … das hat sich schon richtig im Zwischenohr eingenistet.

„Bahia“, kennen wir: vom Album Madar mit Jan Garbarek aus dem Jahr 1994 damals mit Ustad Shaukat Hussain. Zurück zur Aufnahme: Sonore Männerstimme wie von der Oud angezupft … es wechselt in die Volksweise, Jack DeJohnette wieder ganz sparsam … feste Linien bei Holland.

Was eine schöne Musik. Mehr musst du nicht sagen. Und doch musst du dazu was sagen. Wiederhole es. Was eine große Aufnahme. Mein Absoluter Favorit aufs Album des Jahres. Absolute Kaufempfehlung. Nimm dir die Zeit.

Kontemplation. Vierjahreszeiten.  „Auf raffinierte Weise entspannt.“ (BR)

Anouar Brahem: Oud; Dave Holland: Bass; Jack DeJohnette: Drums; Django Bates: Piano.

Ein paar Rezensionen gibt es auch:

http://downbeat.com/reviews/detail/blue-maqams

https://www.allaboutjazz.com/blue-maqams-anouar-brahem-ecm-records-review-by-mark-sullivan.php

https://www.allaboutjazz.com/blue-maqams-anouar-brahem-ecm-records-review-by-john-kelman.php

https://www.allaboutjazz.com/blue-maqams-anouar-brahem-ecm-records-review-by-mario-calvitti.php

https://www.theguardian.com/music/2017/oct/19/anouar-brahem-blue-maqams-review-ecm-jazz-oud

CD:Tip BR-klassik http://www.ardmediathek.de/radio/CD-Tipp/Anouar-Brahem-Blue-Maqams/BR-KLASSIK/Audio-Podcast?bcastId=5958350&documentId=47118150

http://www.kulturzeitschrift.at/kritiken/cd-tipp/anouar-brahem-blue-maqams