John Abercrombie verstorben

*Titelbild John Abercrombie photo by Jonnie Miles

Peter Ruedi über Abercrombie:

„Inzwischen gehört Abercrombie längst zum harten Kern der ECM-Künstler – und damit zur Gruppe jener, denen oft und gern vorgeworfen wird, sie unterwürfen sich zu widerstandlos dem Diktat des Produzenten Manfred Eicher. ECM Sound, das meint allemal auch die Musik von John Abercrombie; 42 Jahre alt und an der Stelle, die man gemeinhin als den Zenit seines Schaffens bezeichnet. Doch wie chic es inzwischen auch sein mag, über diesen ECM-Sound die Nase zu rümpfen; das jüngste Album von Abercrombie, Current Event mit Titel, wiederlegt, wie jedes von ihm, jedes Klischee und Vorurteil.“ (Besprechung der Aufnahme Current Event von 1986, ECM)

Die Lp ist ohne Michael Brecker – tatsächlich wird, wie Ruedi anmerkt „wer jedem Wohlklang misstraut, auch hier, namentlich beim gefälligen Eingangstitel Clint abwinken“, die gesamte Aufnahme brilliert dann zwischen unter starker Hinzunahme des Gitarren-Synthesizer erzeugtem typsichen Abercrombie-Sound und der „reinen Akustischen Gitarre“, die Aufnahme zählt für mich zu eine seiner stärksten. (Den Youtube-Mitschnitt am besten gleich durchlaufen lassen, da aus der Reihe Bass Desires mit Marc Johnson Samurai Hee Haw folgt)

Sein Debut bei ECM feierte er mit Timeless (link zur Website von ECM)

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John Abercrombie – Guitar Jack DeJohnette – Drums Jan Hammer – Organ, piano, synthesizer

gefolgt von Gateway und Gateway 2 (die ersten Platten, die ich mir seinerzeit von ihm „holte“) – und zugegeben – sie nicht in Gänze verstand – würdigte oder ihr tatsächlich bis in die letzte Rille gefolgt wäre. Da waren schon erste Hörgewohnheiten mehr als auf die Probe gestellt. Betrachtet aus Sicht 1980 / damals war der junge Jazzfreund all den aktuellen Musikern kaum gewachsen … die dort allerdings einander schon mehr als nur avantgardistischen Trash oder Punk um die Ohren fetzten.  (nimm nur das 10minütige May Dance – wer das laut hörte, war doch in den Ohren der anderen sicher nicht mehr bei Trost, unüberhörbar aber schon damals. Da war ein Gitarrist weiter als die anderen, schon damals imponierend die fast schon perfekte Phrasierung, jeder Ton ein Treffer, in Überschall manchmal durchs Gehirn geschoben.)

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John Abercrombie: guitar Dave Holland: bass Jack DeJohnette: drums

Ich kann also nicht wirklich von Euphorie sprechen, beim Hören der Scheiben damals, auch heute will sie sich nicht einstellen – schon gar nicht angesichts seinen plötzlichen Ablebens – dazu war und ist einfach viel Technik, viel Forcierung, viel der Unerreichbarkeit im Spiel – der Mann war einfach für Ottonormal eine Nummer zu gut, eine Nummer zu schnell, eine Nummer zu groß. Für seinesgleichen dagegen, vermute ich, ein zwar eigenbrötlerischer aber immer zuverlässiger Partner.

Gestern nun ist er verstorben. Und hat ein Gesamtwerk von mehr als 30 Soloalben hervorgebracht, mit einem mehr als versönlichen Abschluss in Up And Coming aus diesem Jahr, eine nicht mehr zwischen den Extremen sich ausreizende Platte, sondern ganz im Sinn einer Spielfreude und melodischen wie kompositorischen und reinen Form und Dichte. Link zur Besprechung aus dem Januar auf allaboutjazz.com

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Personnel: John Abercrombie: guitar; Marc Copland: piano; Drew Gress: double bass; Joey Baron: drums.

Ich verneige mich!

Nachrufe aus den Zeitungen:

FAZ Er spielte mit sanfter Gewalt

NZZ Ein kommunikativer Eigenbrödler

New York Times Lyrical Jazz Guitarrist

Tagesspiegel Der Eigenbrötler

WELT John Abercrombie ist tot

 

 

3 Gedanken zu “John Abercrombie verstorben

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